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Andrea Berg im Interview mit "musikmarkt": seelenverwandt mit DJ Bobo

Posted by admin (admin) on 12.07.2016 at 08:14
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Andrea Berg im Interview mit "musikmarkt": seelenverwandt mit DJ Bobo
 

"Das muss mir erst mal einer nachmachen": Andrea Berg hält den Rekord als Künstlerin in den Album-Charts Deutschlands und Österreichs (Foto: Lado Alexi)
 

Sie hat es schon wieder getan: Andrea Berg stürmt zum neunten Mal die Spitze der Album-Charts. Mit ihrer neuen Platte "Seelenbeben" (Ariola/Sony Music) steigt sie auf Anhieb auf Platz eins ein. Mit "musikmarkt" sprach die Sängerin unter anderem über die neuen Songs, die Renaissance der Schallplatte und ihre kommende Tour 2016/2017.

 

musikmarkt: Eine Albumproduktion ist viel Arbeit. Wenn du dich entspannen, ein bisschen Abstand gewinnen willst, welche Musik hörst du?
Andrea Berg: Gar keine.


Überhaupt keine Musik?
Ich arbeite ganz viel mit Musik, ich analysiere, höre zu. Ich kaufe mir zwar ganz viele Alben, die höre ich durch und arbeite damit. Aber wenn ich zum Beispiel mit den Hunden in den Wald gehe, dann genieße ich die Natur, die Vögel, dass man den Bach rauschen hört. Ich kann nicht irgendwas machen und dabei Musik konsumieren, außer ein einziges Album: "Swimming With The Dolphins". Das ist atmosphärische Musik, und ab und zu hört man mal einen Delfin schnattern. Das beruhigt mich.


"Seelenbeben" ist das erste Album, das nun über dein eigenes Label Bergrecords veröffentlicht wird. Wie hat sich das auf deine Arbeit daran ausgewirkt?
Diese Veränderung habe ich eigentlich gar nicht gespürt, weil alles, was Bergrecords betrifft, mein Sohn macht. Das macht es natürlich für mich viel einfacher, weil die Wege viel kürzer sind. Und ansonsten war ich schon immer sehr selbständig, was diese Dinge angeht. Am Produzenten und am Studio hat sich nichts geändert.


Als Produzent war neben Dieter Bohlen auch René Baumann alias DJ Bobo wieder dabei.
Ja, wir teilen eine musikalische Seelenverwandtschaft. Wir sind sehr kreativ miteinander und haben zwei wunderschöne Balladen miteinander geschrieben.


Ein Song, zu dem er die Musik geschrieben hat, heißt "Sternenträumer". Das ist mit Abstand der ruhigste und nachdenklichste Titel des Albums.
Der "Sternenträumer“ ist ein ganz wichtiges Lied. Wir hatten auf dem "Atlantis"-Album mit "Im nächsten Leben" schon ein Lied, das sich mit dem Tod auseinandersetzt, ein sehr hoffnungsvolles Lied, auf das ganz viele Menschen positiv reagiert haben. Sie brauchen dieses Lied, um sich zu trösten, um mit Verstorbenen diese Verbindung aufrechtzuerhalten. Aber bei "Sternenträumer" nehme ich zum ersten Mal dieses Wort "Tod" in den Mund. Es ist ein sehr intensiver Song, der den Menschen aber auch Mut und Hoffnung macht. In diesen Lebenssituationen, wo man einen Menschen verloren hat, tut der Song wirklich gut.


Was sind deine beiden Liebelingssongs vom Album? Allerdings: Die Antwort "Ich kann mich nicht entscheiden" ist nicht zulässig.
Für mich ist das emotional tiefste und wichtigste Lied tatsächlich der "Sternenträumer". Ich glaube, dass das auch in den nächsten Jahren ein zentraler Song sein wird.


Also live?
Ja. Ich habe ihn auch jetzt schon in der Show eingebaut.
Und mein zweiter Lieblingssong ist "Ich werde lächeln wenn du gehst". Der ist für mich die Revolution von "Du hast mich tausendmal belogen". Diese Einstellung: "Du hast mich tausendmal belogen, du hast mich tausendmal verletzt, aber bitte, bitte, verlass mich nicht. Bleib bei mir, egal was du willst, bitte verlass mich nicht." Das habe ich auf den Kopf gestellt: "Weißt du was? Ich werde lächeln, wenn du gehst. Wenn du meinst, du müsstest mit einer anderen in die Kiste gehen, dann bitteschön."


Das Album erscheint auch als Vinyl. Wie erlebst du die Renaissance der Schallplatte?
Daran erkennt man wieder, wie alt ich bin. (lacht) Mein allererstes Album ist 1991 erschienen, das hieß "Du bist frei", und die erste Single gab's noch als Vinyl-Single. Das war die Zeit, in der es von meinen alten Alben noch Musikkassetten gab. Deswegen ist das für mich ein Stück weit Nostalgie. Ich weiß noch, ich hatte ein Bob-Marley-Album und die ABBA-Alben alle auf Vinyl. Das ist natürlich was Besonderes, wenn jetzt mein Album als Vinyl kommt.


Es kommt eine jüngere Schlager-Riege nach. Aktuell ist Vanessa Mai sehr erfolgreich. In der Klatschpresse ist immer ganz schnell von einem Konkurrenzkampf die Rede. Dabei wurde sie ja im Hotel Sonnenhof entdeckt – bei dir zuhause.
Ja. Vanessa ist die Verlobte meines Sohnes.


Freut man sich da nicht eher? Nicht nur für sie, sondern grundsätzlich, dass der Schlager wieder ein besseres Image hat?
Klar, das ist geil. Man muss überlegen: Wir haben gerade noch davon gesprochen, als mein erstes Album raus kam, da war Schlager noch so ein bisschen was für alte Leute. Ich weiß noch genau, dass ich ein paar Jahre später mit dem Echo ausgezeichnet wurde und keiner hat's gemerkt, weil RTL das einfach rausgeschnitten und Werbung eingeblendet hat. Und die Rapper in ihren Unterhemden sind aufgestanden und haben gebuht. Das war schon eine andere Zeit. Damals gab es Wolle Petry und Andrea Berg, und die waren schon fast die Rock 'n' Roller. Wir haben die Hallen und Stadien gefüllt, sonst war weit und breit keiner. Doch dann fingen auch die deutschen Popmusiker an, deutschsprachig zu singen, und zuletzt sogar eine Sarah Connor, die sich zu ihrer Muttersprache bekennt. Heute kann ich sagen, ich bin vielleicht wirklich einer der Pioniere, der das etwas modernisiert oder besser: aus dem Staub geholt hat.


Umso besser, dass du das durchgezogen hast.
Ja, wenn ich die Fahne nicht so hochgehalten hätte, wer weiß was passiert wäre? Wenn das Schlager-Image so schlecht geblieben wäre, wenn es eine Andrea Berg und einen Wolfgang Petry nicht gegeben hätte, glaube ich nicht, dass junge Menschen, wie Beatrice Egli oder Helene Fischer, gesagt hätten: Ich mache jetzt Schlager. Denn was jetzt passiert mit Helene, das ist eigentlich schon die Fortsetzung, die nächste Generation. Plötzlich wird bei "DSDS" Schlagermusik gemacht. Ich finde das total geil. Und jetzt kommt unsere Vanessa. Super, richtig klasse! Schlager ist moderner denn je. Aber es ist natürlich auch ein neuer musikalischer Anspruch. Schlager ist in sich entstaubt worden.


Du und die Charts, das ist eine Geschichte für sich. Du bist in den Album-Charts Rekordhalterin sowohl in Deutschland als auch in Österreich, 930 Chartswochen sind es in Deutschland, in Österreich längst über 1000. Das sind sehr stolze Zahlen. Welche Bedeutung misst du dem bei?
Das war für mich immer ein bisschen diffus. Ich habe mich nie so damit beschäftigt. Mein Papa war immer derjenige, der die Charts durchforstet hat, die hängen auch alle bei mir im Büro. Wenn ich von der Promotion-Reise wiedergekommen bin, dann hatte er schon die erste Woche Charts eingerahmt. Das war sein Ding, den „musikmarkt“ ganz genau zu studieren, dann war er mit Stolz erfüllt. Trotzdem ist es was, was man nicht greifen kann, weil es so unvorstellbar ist. Aber dann denke ich wieder: Ach weißt du, das muss dir auch erst mal einer nachmachen.


Vor allem in Österreich mit 1150 Chartswochen.
Da kann man so viel nicht falsch gemacht haben. (lacht)


Noch eine stolze Zahl: 30.000. So viele Leute sind letztes Jahr zu deinem "Heimspiel" in Aspach gekommen. Beide Konzerte waren weit im Voraus ausverkauft. Hast du mit dem Veranstalter schon mal überlegt, das auf ein oder zwei weitere Termine auszuweiten?
Das ist ja nun bei uns zu Hause, in unserem Stadion. Und wir sind dieses Jahr noch früher fast ausverkauft. Gedanken macht man sich da sicherlich, ob man vielleicht noch den Donnerstag oder den Sonntag dranhängt. Das ist eine Kultveranstaltung, letztes Jahr zum zehnten Mal. Das hat angefangen auf einem kleinen Rasenplatz mit einer kleinen Bühne, einem Bierstand und einer Würstchenbude, damals schon mit 5000 Leuten. Am Ende standen wir alle im Regen und ich habe einfach nur halb Playback zwei Stunden lang mit den Leuten Spaß gemacht. Noch heute reden die Leute davon: "Weißt du noch damals? Alles war matschig und wir standen im Regen". Mittlerweile kommen die Menschen schon eine Woche vorher. Ich gehe mit ihnen wandern. Das macht einen Riesenspaß. Und es sind immer wieder die Gleichen, die kommen. Ich fliege dann schon mal mit dem Hubschrauber drüber und gucke mir das an, wie die Campingplätze voll sind, wie die Fans da hinwandern. Es hat ein bisschen Festivalcharakter.


Derzeit absolvierst du noch einige Auftritte bei der „Schlagernacht des Jahres“ bzw. „Schlager Starparade“, bevor du dann ab Oktober auf große Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz gehst. Das ist ein komplett anderes Konzept, wie gehst du an diese Art von Auftritte ran im Vergleich zu deinen Einzelkonzerten?
Das sind 35 bis 40 Minuten, in denen man eine Menge ausprobieren und Vollgas geben kann. Einfach mit den Leuten die großen Hits singen, da gibt’s auch kein festes Drehbuch. Da kann ich mich austoben und auch mal Blödsinn machen. Das ist schon klasse.


Testest du da auch einzelne Songs zum Beispiel vom neuen Album, um zu sehen, wie die Leute drauf reagieren?
Ja. Ich habe in Hamburg kürzlich sogar zweimal "Diese Nacht ist jede Sünde wert" gemacht. Die Leute waren so begeistert, dass ich ihn am Ende an "Tausendmal belogen" noch mal dran gehängt habe.


Bei der "Atlantis"-Tour gab es ein sehr aufwändiges Bühnenbild mit dem Unterwasserkonzept. Auf was dürfen sich deine Fans in der kommenden Tournee-Show freuen?
Es wird schon gebaut, auf Hochtouren. Es gibt eine riesengroße "Seelenbeben"-Bühne, zu der ich so viel erzählen könnte. Aber ich will's noch nicht verraten. Es wird jedenfalls gigantisch.


Wie stark bist du in die Erarbeitung des Showkonzepts involviert?
Die Ideen kommen von DJ Bobo und mir zusammen. Und Idee für die Show zur kommenden Tour hatten wir schon Ostern vor einem Jahr. Ich werde jetzt wahrscheinlich wieder mit dem Motorrad auf die Bühne fahren, das haben wir auch bei den Open-Air-Konzerten letztes Jahr gemacht. Das taugt mir total. Aber wir haben ein Hammerding in der Halle liegen. Das ist so geil, einfach ein Traum. Mein Mann hat gesagt: "Du bist ja verrückt." Und ich antwortete: "Stimmt, aber ich will das."

 


Andrea Berg – "Heimspiel 2016"
>> Tickets via Eventim
 22.07. Aspach, mechatronik Arena
 23.07. Aspach, mechatronik Arena

 

Andrea Berg – Tour 2016
>> Tickets via Eventim
 14.10. Krefeld, Königspalast
 15.10. Hannover, TUI Arena
 16.10. Schwerin, Sport- und Kongresshalle
 21.10. Kiel, Sparkassen-Arena
 22.10. Hamburg, Barclaycard Arena
 23.10. Magdeburg, GETEC-Arena
 28.10. Dortmund, Westfalenhalle 1
 29.10. Köln, LANXESS arena
 30.10. Trier, Arena
 04.11. Leipzig, Arena
 06.11. Berlin, Mercedes-Benz Arena
 10.11. Braunschweig, Volkswagen Halle
 11.11. Chemnitz, Arena
 12.11. Nürnberg, Arena Nürnberger Versicherungen
 13.11. CH-Zürich, Hallenstadion

 

Andrea Berg – Tour 2017
>> Tickets via Eventim
 20.01. Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle
 21.01. Mannheim, SAP Arena
 22.01. Frankfurt, Festhalle
 26.01. A-Linz, TipsArena
 27.01. A-Graz, Stadthalle
 28.01. A-Wien, Stadthalle
 31.01. Leipzig, Arena (Zusatzkonzert)
 04.02. München, Olympiahalle
 05.02. Erfurt, Messe
 09.02. Köln, LANXESS arena (Zusatzkonzert)
 10.02. Bremen, ÖVB-Arena
 11.02. Oberhausen, König-Pilsener-ARENA
 12.02. Halle/Westfalen, Gerry-Weber-Stadion
 24.02. Hamburg, Barclaycard Arena (Zusatzkonzert)

 


Autor: Michael Nützel
 
Quelle: Musikmarkt - 15.04.2016


 

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