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s²marketing informiert: BUCH: The Soul Of Motown (Verlag: Edel, ET: November 2009) |
| Posted by admin (admin) on 03.01.2010 at 09:36 |
s²marketing informiert: BUCH: The Soul Of Motown (Verlag: Edel, ET: November 2009)
1959 gründete Berry Gordy Jr. in Detroit, Michigan, die legendäre Motown Record Company – in diesem Jahr feiert das vielleicht wichtigste Label der Popgeschichte seinen 50. Geburtstag. Nun endlich erscheint das erste deutsche Buch zu diesem Jubiläum, aufwändig illustriert und mit einer CD mit 15 Motown-Hits als Zugabe: Das Buch „The Soul of Motown“ würdigt auf ganz besondere Weise, was Motown groß gemacht hat: die unglaubliche Vielzahl erfolgreicher Single-Hits von Marvin Gaye, Diana Ross, Stevie Wonder, den Jackson 5 u.v.a.
15 große Motown-Songs, farbig illustriert von Alexandra Kardinar und Volker Schlecht, werden nun mit ihrer Geschichte und den dazugehörigen Lyrics und Notenauszügen vorgestellt. Der Musikjournalist und Autor Torsten Groß geht jedem Song und seiner Entstehung nach und erzählt die Geschichte von Motown und von dem Menschen, der das Label geprägt hat: Berry Gordy mit seinem autokratischen, aber äußerst wirksamen Führungsstil, der das Label mit einem Familienkredit von 800 Dollar zur wichtigsten Plattenfirma der Welt machte.
Zum Autor:
Der Musikjournalist und Autor Torsten Groß schreibt seit vielen Jahren über Musik und popmusikalische Phänomene. Seit 2008 gehört er der Redaktion des deutschen Rolling Stone an. Torsten Groß lebt und arbeitet in Berlin und München.
Zu den Illustratoren:
Das Berliner Büro Drushba Pankow wurde 2002 von Alexandra Kardinar und Volker Schlecht gegründet. Ihr Spektrum reicht von Zeitungs- und Buchillustrationen über klassisches Grafikdesign, bis zum künstlerischen Animationsfilm. Sie arbeiten u.a. für die Wochenzeitung DIE ZEIT und ZEIT Campus. Seit 2006 lehrt Alexandra Kardinar als Professorin für Illustration an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg.
„The Soul of Motown“ von Torsten Groß, Alexandra Kardinar und Volker Schlecht
Folgende Songs sind auf der CD enthalten:
1. Marvin Gaye & Tammi Terrell - "Aint No Mountain High Enough"
2. Little Stevie Wonder - "Fingertips - Part II"
3. Mary Wells - "My Guy"
4. The Temptations – “Ain’t Too Proud to Beg”
5. The Supremes - "Stop! In The Name Of Love"
6. Smokey Robinson & The Miracles - "The Tears of A Clown"
7. The Temptations - "Papa Was A Rolling Stone"
8. Edwin Starr - "War"
9. The Four Tops - "Reach Out I'll Be There"
10. Jimmy Ruffin - "What Becomes Of The Broken Hearted"
11. Martha And The Vandellas - "Dancing In The Street"
12. Barrett Strong - "Money (That's What I Want)"
13. Gladys Knight & The Pips - "I Heard It Trough The Grapevine"
14. The Marvelettes - "Please Mr Postman"
15. Marvin Gaye - "What's going on"

LESEPROBE:
Die letzten zwei Jahre waren für Motown wie im Flug vergangen. Mit dem Miracles-Song „Shop Around“ gab es einen ersten Nummer-eins-Erfolg in den R&B-Charts, beinahe täglich schlossen sich weitere Kreative der aufstrebenden Firma an. Parallel etabliert Gordy einen quasi autokratischen Führungsstil. Die Künstler werden zwar über ihre Einnahmesituation auf dem Laufenden gehalten, frei verfügen können sie über ihr Geld jedoch nicht.
Der Standardvertrag sieht vielmehr eine Art Angestelltenverhältnis vor – es gibt wöchentliche Schecks, der Rest wird angelegt. Die meisten unterschreiben diese Verträge blind: Beinahe alle Musiker kommen aus bildungsfernen Schichten, sind blutjung und könnten sich sowieso keinen Anwalt leisten.
Trotz aus heutiger Sicht zweifelhafter Geschäftspraktiken, sieht der Impressario sich mitnichten als Ausbeuter, sondern als Förderer, der selbst am besten weiß, was gut für seine Künstler ist. Tatsächlich garantiert er den jungen Talenten eine umfassende Versorgung und Ausbildung. Und so lange sie bei Motown bleiben und regelmäßig Hits liefern, gibt es keine Probleme – wer Geld braucht, kriegt welches. Schwierig wird es erst, wenn man die Firma verlassen will oder keinen Erfolg mehr hat. Dennoch findet man, allen Urheberrechts-Prozessen und Streitereien späterer Jahre zum Trotz, heute niemanden, der ein schlechtes Wort über Gordy verliert. Ausnahmslos alle, mit denen für dieses Buch gesprochen wurde, skizzieren ihn mit dem Abstand der Jahre als Vaterfigur und Motown als Schule für junge Talente.
So auch Lionel Richie, in den 70er Jahren einer der größten Stars des Labels: „Eines Tages spaziere ich in die Firmenzentrale – und treffe all diese Legenden: Marvin Gaye an der Kaffeemaschine, Smokey Robinson auf dem Gang… Und Stevie Wonder steht mitten im Raum und erzählt tolle Geschichten. Ich gehe zu Marvin und frage, wo er seinen Abschluss gemacht hat. Daraufhin guckt er mich schief an und sagt, er habe nicht die geringste Ahnung, was ich meine. Also gehe ich zu Berry: ‚Mr. Gordy, auf welcher Business-Schule haben Sie soviel über das Musikgeschäft gelernt?‘ Und er lacht und fragt, ob ich ihn auf den Arm nehmen wolle. Diese Jungs waren praktisch die Dozenten der ,Motown-Universität‘. Ich erhielt von ihnen die beste Ausbildung, die man sich wünschen kann. Für die meisten von uns war Berry wirklich eine Vaterfigur – ein strenger Vater, aber ein Vater.“
Wie in jeder vernünftigen Schule gibt es auch bei Motown eine „Zeugniskonferenz“: Das berühmt berüchtigte „Quality Controll Meeting“, ein von Gordy mit äußerster Diziplin etabliertes Intrument zur Wahrung der Qualitätskontrolle. „Die Meetings fanden immer in Berrys Büro statt und begannen um Punkt neun Uhr morgens“, erinnert sich Smokey Robinson. „Wer später kam, hatte Pech. Zugelassen waren nur Autoren und Produzenten, nicht aber die Künstler. Dort brachte ich dann zum Beispiel einen Song für die Temptations mit, an dem ich zwei Wochen gearbeitet hatte – und einer der anderen Autoren hatte auch einen Song für die Temptations. Also haben wir beide Songs sämtlichen Anwesenden vorgespielt und sie dann verglichen.“
In einem knallharten Auswahlverfahren, bei dem keinerlei Rücksicht auf persönliche Befindlichkeiten genommen wird, werden bei diesen Treffen bis zu 20 Songs die Woche auf ihr Hit- Potenzial geprüft. Montags werden diese Songs vorgespielt. Ideen, die das Meeting „überleben“, werden anschließend im Laufe der Woche verbessert – ehe schließlich bei einem weiteren Meeting am Freitag die finale Entscheidung fällt, was wirklich veröffentlicht wird. Die Regeln: Niemand darf für seinen eigenen Beitrag stimmen, im Zweifelsfall kann der Chef von einem Veto-Recht gebrauch machen – Demokratie á la Gordy.
Der Chef arbeitet aber auch mehr als alle anderen. „Berry war unermüdlich auf der Suche nach neuen Leuten“, sagt der Songschreiber Lamont Dozier. „Er wollte die Besten aus allen Bereichen – und er hat die Besten gekriegt.“ Zunehmend manifestiert sich so die Führungsriege der frühen Tage: Neben externen Mitarbeitern, denen er vertraut – Smokey Robinson oder der genialische A&R-Mann Mickey Stevenson – besetzt Gordy Schlüsselpositionen überwiegend mit Familienangehörigen. Seine Schwester Esther übernimmt die Management-Firma ITMI, die sich exklusiv um Motown-Künstler kümmert und deren Gründung ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu jenem geschlossenen Star-System ist, das Gordy im Sinn hat. Esther Gordy handelt nicht nur sämtliche Verträge aus, ihre Firma zahlt auch die Steuern der Künstler und steht ihnen beratend zur Seite. Gwen und Anna Gordy gehen Stevenson zur Hand, während Loucye, eine weitere Gordy-Schwester, die Pressung und Auslieferung der Motown-Platten überwacht.
Immer häufiger reist Gordy jetzt durchs ganze Land, um die DJs der großen Radiostationen von seinen Platten zu überzeugen. Wie Provinzfürsten diktieren und beherrschen die mächtigsten unter ihnen den Geschmack der Hörer, und entscheiden so über Erfolg oder Nichterfolg neuer Singles. Gordy ist für diese Leute ein Niemand und seine Platten uninteressant – bis Barney Ales auftaucht. Ein überaus gerissener Vertriebs- und PR Fachmann mit allerbesten Kontakten und wenig zimperlichen Methoden. Mit ihm zusammen baut Gordy ein einzigartiges Vertriebsnetz auf. Als eine Art Schattenmann übernimmt Ales schließlich die Motown-Geschäftsführung – und stellt das Selfmade-Unternehmen auf eine professionelle Basis.
Der große Durchbruch kommt dann in Gestalt der 15-jährigen Gladys Horton und ihrer Mitmusikerinnen Wanda Young, Katherine Anderson, Georgeanna Tillman, Georgia Dobbins und Juanita Cowart. Gordy hatte die Teenager bei einem Talentwettbewerb in ihrer High School aufgelesen, bei dem es eine Motown-Audition zu gewinnen gab. Zum ersten Termin bringt Dobbins eine erste Version eines selbstverfassten Songs mit – „Mr. Postman“.
Gordy ist begeistert, bittet die Mädchen wiederzukommen – und lässt den Song von Brian Holland und Robert Bateman alias „Brianbert“ überarbeiten. Hierbei folgen die Songschreiber einem einfachen Grundprinzip, wie Brian Holland erzählt: „Berry sagte immer: ‚Ihr dürft es den Leuten nicht zu schwer machen, den Song zu lernen – sie müssen ihn schon beim ersten Hören mitsingen können.‘ Das war sein Prinzip, daran haben wir uns gehalten“ Freddie Gorman fügt schließlich den Text hinzu – der Sänger der Originals ist mit dem Sujet bestens vertraut, arbeitet er doch hauptberuflich als Briefträger.
Gordy muss den schulpflichtigen, um Dobbins reduzierten Marvelettes bald Entschuldigungen schreiben, damit sie ihren gewachsenen Verpflichtungen nachkommen können: Mit „Mr. Postman“ schaffen sie, was noch keinem schwarzen Künstler – und schon gar keiner schwarzen Plattenfirma! – zuvor gelungen ist: Der Song geht auf Platz eins der Pop-Charts, ein in jenen Tagen segregierter Charts ausschließlich weißen Künstlern vorbehaltenes Privileg. „Wenn man schwarz war und eine Platte veröffentlichte, wurde sie automatisch als Rhythm & Blues kategorisiert“, erinnert sich Robinson. „Ein Weißer konnte den gleichen Song einspielen – und wurde trotzdem als Pop wahrgenommen.“ „Mr. Postman“ verkauft sich über eine Million Mal und erfährt mehrere erfolgreiche Interpretationen – nicht zuletzt von den Beatles auf ihrem zweiten Album „With The Beatles“.
Angestachelt von derartigen Erfolgen will Bateman nach New York, um dort groß rauszukommen. Zuvor empfiehlt er noch einen Nachbarn als Nachfolger – Lamont Dozier. „Kurz vor seinem Umzug brachte Bateman Brian Holland zum Essen mit und wir sprachen über die Möglichkeit einer Zusammenarbeit“, erinnert sich Dozier. „Einige Tage später kam es erstmals dazu: Ich war im Studio, arbeitete an einem Song namens ‚Forever‘, den später Marvin Gaye aufnahm. Mit fehlte noch eine Bridge, Brian kam rein, setzte sich ans Klavier, und sagte: ‚Hey Mann, du solltest das mal probieren.‘ Das war der Beginn unserer Zusammenarbeit.“ Kurze Zeit später komplettiert Eddie Holland das Duo – das neben Lennon-McCartney wohl bedeutendste Songschreiber-Gespann der 60er Jahre tritt seinen Dienst an, und so langsam werden die Leute aufmerksam auf das revolutionäre Treiben des Mr. Gordy in Detroit…
Torsten Groß (Text), Alexandra Kardinar und Volker Schlecht (Illustration):
The Soul of Motown
Eine Labelgeschichte in 15 Songs
Hardcover, 160 Seiten, Leineneinband
Durchgehend 4-farbig illustriert, mit Audio-CD
Format 22 x 30 cm
€ 58,- / sfr 93,90
ISBN: 978-3-941378-30-8
ET: November 2009
Weitere Informationen zu den edel Veröffentlichungen findet Ihr unter: http://www.edel-edition.de.
Quelle: Oliver Scheer - s²marketing - 27.11.2009
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