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s²marketing informiert: BUCH: The Tokyo Diaries (Verlag: edel books/rockbuch, ET: 12. März 2009)

Posted by admin (admin) on 04.05.2009 at 09:56
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s²marketing informiert: BUCH: The Tokyo Diaries (Verlag: edel books/rockbuch, ET: 12. März 2009)
 
 
Liebe Freunde der fremden Sitten und Gebräuche!
 
 
„David kann es selbst kaum glauben: Er sitzt im Flugzeug nach Japan, wo er die nächsten Monate wohnen und studieren wird. Was hat er sich bloß dabei gedacht? In Tokio angekommen, ist er erst einmal überwältigt von der Schnelligkeit und Unübersichtlichkeit der Riesenmetropole. Hier ist er jetzt einer unter 8 Millionen, ohne Familie und Freunde, ganz allein auf sich gestellt. Doch David lebt sich bald in der neuen Umgebung ein, findet Freunde, ergattert Jobs und spielt in zwei Bands. Nur mit den Frauen läuft es so gar nicht…
Dann ändert ein kurioser Zufall sein bisheriges Party- und Studentenleben: Eines Tages wird David von einer Fotografin auf der Straße angesprochen und zu einem Shooting eingeladen. Auch wenn er sich nicht vorstellen kann, was er als tätowierter Punkrocker auf einem Modeshooting soll, beschließt er hinzugehen. Drei Wochen später erscheint eine Fotostrecke von ihm in einem großen Modemagazin, und er findet sich in der Kartei einer angesehenen Tokioter Modelagentur wieder. Schon bald läuft er auf den Schauen der besten Designer, wird von den bekanntesten Modefotografen der Welt abgelichtet und sieht sein Foto auf den Titelblättern großer Modezeitschriften. Und nicht nur das: Mit den japanischen Frauen klappt es nun ebenfalls viel besser, wenn auch nicht ohne Komplikationen…“
 
 
Klingt wie ein modernes Märchen, ist aber die wahre Geschichte des David Schumann. Letzte Woche haben wir Euch das Buch „The Tokyo Diaries“ des Kölner Japanologie-Studenten zum ersten Mal vorgestellt. Inzwischen gab es unglaublich gute Resonanzen auf der diesjährigen Buchmesse in Leipzig; vielleicht auch weil das Buch so viele unterschiedliche Leute anspricht, die sich in diesen Lebens-Episoden wieder finden können: Studenten, Reisende, Japan-Fans, Models, Rock’n‘Roller oder einfach alle Menschen, die die kleinen Hürden unseres manchmal so komplizierten Lebens zu meistern versuchen.
 
 
Damit ihr Euch ein noch besseres Bild von diesem Buch machen könnt, haben wir Euch dieses Mal eine Leseprobe mit dran gehängt. Viel Spaß damit. (Am besten, lest Ihr aber das ganze Buch - es lohnt sich!)
 
 
 
David Schumann
The Tokyo Diaries
Roman
ca. 320 Seiten, Klappenbroschur
Format 13,5 x 21,0 cm
€ 16,90 / sfr 30,90
ISBN 978-3-941376-01-4
ET: 12.03.2009
 
 
 
 
Über den Autor
Der Kölner Japanologie-Student, FC Schalke 04- und Punkrockfan David Schumann schrieb 2005/2006 im Ox-Fanzine eine vielbeachtete Kolumne namens „The Tokyo Diaries“, in der er über seinen zweijährigen Studienaufenthalt in Tokio berichtete. Mit der Modelwelt aus Fashion, Glamour und schönem Schein hatte der 32-Jährige, der zuvor in Köln und Bonn studiert und in Köln gelebt hatte, bis dahin rein gar nichts am Hut. Ganz im Gegenteil: Als überzeugter Punk interessiert er sich mehr für Gitarrenmusik, trägt kaputte Jeans statt Designermode, mag Dosenbier – und natürlich die japanische Kultur. David Schumann lebt nach zwei Jahren in Deutschland derzeit in Köln und Tokio, wo er als Übersetzer und Model arbeitet.
 
 
Leseprobe
 
29.04.05
Erster Tag der „Golden Week“, und schon ist mir langweilig. Beim Ziellos-durch-die-Strassen-von-Sangen-jaya-Schlendern werde ich von einer nach Gruftie aussehenden Fotografin angesprochen: „Do you want to be a model and teach English to me?“ 2 Mal ja.
Das erste Shooting ist irgendwann die Tage. Ob das der Startschuss zu einer großen Karrire ist? Haha! Wenn diese Leute öfter mal Japanisch mit mir sprechen würden, wüsste ich auch öfter, was genau sie von mir wollen...
Später: Der Typ von der Sprachunterricht-Vermittlungs-Agentur ruft mich an und sagt, dass ich für das Vorstellungsgespräch am Freitag einen Anzug bräuchte! Ich soll die Dame in ihrem Büro unterrichten, und da wäre das dann halt so. Jeder, der mich persönlich kennt, müsste sich beim Gedanken daran an dieser Stelle eigentlich kaputtlachen. Das ist einfach zu absurd. Ich als seriöser Businesstyp in einer großen Firma. Auweia. Egal, der Anzug ist bereits geliehen: Ich mach’s!
Noch etwas später: Mal wieder hitorizake, was so viel heißt wie: „Ich sauf allein!“ Bloß diesmal etwas zuviel, und bevor ich mich versehe, geh ich noch mal aus und finde mich bald in einer Kneipe wieder, die mit Elvis- und James-Dean-Postern dekoriert ist, außerdem gibt es eine Jukebox, die wahrscheinlich jedes in den 50er- und 60er-Jahren aufgenommene Lied beinhaltet. Die Leute sind zwar alle ein paar Jahrzehnte älter als ich, dafür aber nett, und so trinke und rede ich mit ihnen, bis ich kein Geld mehr habe und nach Hause wanke.
Am nächsten Morgen: Kater und Zwiebelportemonnaie. Mir kommen die Tränen. Scheiß Golden Week. Noch 6 Tage.
 
08.05.05
Hier halten mich alle für schwul. Wegen meiner Art zu reden! Anders als bei uns „Barbaren aus dem Westen“ (kleiner Japanologen-Insider!), ist die japanische Sprache mehr oder weniger strikt in Männer- und Frauensprache, also im Prinzip höflich und unhöflich, unterteilt. Und welche von beiden kriegen wir an der Uni wohl beigebracht? Und ist das auch dieselbe, die von den cooleren Jugendlichen hier gesprochen wird? Hm ... mal sehen ... NEIN!
Das ist echt so was von schwierig, diese „otokokotoba“ genannte Männersprache ist halt echt noch mal eine kleine Welt für sich, als ob man eine Sprache in einer Sprache lernen müsste. Klingt aber auch einfach 100 Mal cooler.
Ihr kennt diese Yakuza-Filme? So ungefähr hört sich das an. Und dazwischen ich, die höfliche Schwuchtel aus Deutschland. Ist wahrscheinlich ungefähr so, als würde man in Deutschland in einen angesagten Club oder so gehen und da alle siezen. Zum Verzweifeln. (…)
 
14.05.05
(…) Ich treffe mich mit Atsushi, einem meiner japanischen Freunde, die ich neu kennengelernt habe, um rumzuhängen, Musik zu hören und Bier zu trinken. Zumindest versuche ich das. Als wir uns kennengelernt hatten, meinte er, er wohne supernah bei mir, und dass das ja der Hammer wäre – da könne man ja einfach rumhängen, und müsse nicht, wie hier sonst üblich, bis ans Ende der Welt fahren. Wie cool, jemand der nah wohnt!
Wir schicken uns also SMS hin und her beziehungsweise Handy-E-Mails, kosten so um die 1 Cent das Stück und die Zeichenzahl ist unbegrenzt. Deswegen sieht man hier in den Bahnen auch immer alle Leute über ihren Handys sitzen und irgendwas Triviales schreiben.
Aber irgendwie texten wir die ganze Zeit aneinander vorbei, worauf ich Atsushi auf dem Handy anrufe, da ich aufgrund der Schriftzeichen, die er benutzt, seine japanischen Nachrichten auch nicht immer verstehe und außerdem denke, ich würde mich vielleicht verlesen haben; damit mache ich die Sache, angesichts der Tatsache, dass er oben beschriebenes Männerjapanisch par excellence, und das ausschließlich, spricht und dazu der Empfang auch noch superscheiße ist, allerdings nicht gerade einfacher. Hier ist ein nicht übertriebener Ausschnitt meines Gedächtnisprotokolls unseres fast 10 Minuten dauernden Gespräches:
„Hallo?“
„Hi, hier ist der David, alles klar?“
„Hallo?“
„Hallo??“
„David?“
„Ja! Atsushi?“
„Was?“
„Ähh, hörst du mich? Der Empfang ist voll scheiße ...“
„Ja, schon, aber mit der Bahn ist das echt besser!“
„Was? Mit der Bahn?“
„NEIN! Mit der Bahn! Das regnet bestimmt noch. Ist der Empfang bei dir auch so scheiße?“
„Ja!“
„Wo bist du denn?“
„In der Uni.“
„Dann ruf doch am besten noch mal an, wenn du in der Uni bist!“
„Ich BIN in der Uni!“
„Was? Mit dem Fahrrad ist ohne Scheiß nicht so gut!“
„Häh? Hallo? Wieso denn nicht? Du hast doch gesagt, du wohnst um die Ecke?“
„Wenn das regnet, kann ich dich nicht mit dem Mofa abholen kommen, das ist zu gefährlich.“
„Ähhh, musst du ja auch gar nicht, ähhh ...“
„Nee, das ist zu klein, ZU KLEIN!“
„WER?“
„HALLO?“
„HALLO?“
„Komm am besten mit der Bahn!“
„OK, aber ich dachte, du wohnst voll nah?!“
„Kein Problem, ich wohn voll nah, das ist einfach!“
„Ey, ich versteh echt kein Wort, sorry ...“
„Was? Auf jeden Fall in Gôtokuji! Aber von Setagaya direkt
ist besser! Und dann steigst du in Izami-Shimagawa aus.“
„Oh Gott, wie lange dauert das denn?“
„Das ist voll nah, insgesamt 30 Minuten mit dem Zug.“
„30 MINUTEN? Das ist nah???“
„NEEIIIN, 30 Minuten, 30!“
„Ach, nur 3?“
„Ja, 30!“
 

Und so weiter. Irgendwann hab ich dann verstanden, dass das japanische „nah“ mit dem deutschen „nah“ so wenig zu tun hat wie Schalke mit der diesjährigen Meisterschaft, bin also erst mit dem Rad nach Gôtokuji gefahren, superschwer zu finden, hat mal ne gute halbe Stunde gedauert, dann da in die Bahn gestiegen, und nach noch mal 15 Minuten war ich wirklich da, vollkommen nass geregnet und am Arsch, aber egal. (…)

13.06.05
Erinnert sich noch jemand an die Barfrau, die ich bei der einen ECHO ME ASTRONAUT-Show kennen gelernt hab? Hab sie in Shimokita getroffen. Furchtbarer Hut mit Blumen drauf, karierte Chucks mit lila Schnürsenkeln, Karottenjeans. What a letdown. Getrunken bis fast 5 Uhr morgens, trotzdem nichts passiert. Auch Schönsaufen hat seine Grenzen……..
 
 

Das war die Leseprobe aus dem BUCH "The Tokyo Diaries"

 

 
Quelle: Oliver Scheer - s²marketing – 17.03.2009
 

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